Verblasst und verloren liegt der Boden vor uns, ein Meer aus Staub und Scherben. Zwischen den brüchigen Körnern taucht das flüchtige Antlitz des Vergänglichen auf – ein geisterhaftes Gesicht, gezeichnet von Zeit und Verfall. Es ist ein Symbol des Memento Mori, gemalt mit den grauen Fingern der Vergänglichkeit.
Schwer hängen die Worte über diesem Boden, flüsternd wie der Windhauch durch leere Räume: „getragen von leeren Schwingen“, „in den Tiefen des Schweigens“. Worte wie Schatten, die den Raum mit einer düsteren Poesie füllen. Jede Silbe legt sich auf die Erde wie Asche, als ob die Welt selbst den Atem anhielte.
In dieser Komposition aus Text und Bild öffnet sich ein Tor zu einer anderen Welt – ein Reich der Schatten, das wir selten betreten. Es ist ein stiller Tanz zwischen Staub und Ewigkeit, eine Melodie aus Staubkörnern, die im Zwielicht leise verklingen. Doch auch wenn alles vergeht, bleibt der Hauch dieser vergänglichen Schönheit bestehen – ein Echo der Endlichkeit, das uns sanft daran erinnert: Wir wandeln alle zwischen den Welten.
Abstraktion bedeutet für mich, die Essenz der Dinge festzuhalten und dabei das Sichtbare in neue, oft ungewohnte Formen zu übersetzen. Ohne die gewohnte Farbenvielfalt konzentriert sich der Blick ganz auf die Strukturen, Linien und Flächen – auf das, was oft verborgen bleibt.
Die Bilder zeigen die Vielgestaltigkeit des Bodens: das Spiel von Blättern und Zweigen, von Licht und Schatten. Im Wasser wiederum tanzen die Lichtreflexe über den Steinen, Linien werden verzerrt, Flächen lösen sich auf. Und selbst die scheinbar glatte Fläche eines Betonwegs wird in Schwarz-Weiß zur spannenden Struktur aus Körnung und Linie.
Durch die Abwesenheit von Farbe liegt der Fokus auf dem Zusammenspiel von Linie und Fläche. In den aufsteigenden Linien der Baumrinden oder den gekrümmten Formen der Blätter wird das Motiv zur abstrakten Komposition. So entstehen Bilder, die nicht mehr nur zeigen, was war, sondern die eine neue Wirklichkeit eröffnen – eine, die dem Betrachter Raum für eigene Assoziationen lässt.
Diese Bilder sind eine Einladung genau hinzusehen, sich einzulassen auf die Formen, Muster und Strukturen – auch jenseits der gewohnten Farbenwelt.
Habe den Brückentag für einen Fotowalk in Lübeck genutzt. Gleiches Setting wie in Stralsund: Die Canon 5DIV mit dem 16-35 mm. Bin vom Bahnhof zur Altstadt gebummelt. Dann runter zum Hansehafen und wieder zurück. Ich mag diesen urbanen Raum. Den Blick abwenden von den Sehenswürdigkeiten und das „Dazwischen“ sehen. Das Ultraweitwinkel ist das ideale Werkzeug dafür.
Gestern habe ich einen Foto-Trip nach Stralsund gemacht. Vom Bahnhof rüber zum neuen Markt, durch die Fußgängerzone zu alten Markt bis zum Hafen runter. Vom Ozeaneum dann wieder durch die Altstadt zurück zum Bahnhof. Im Gepäck die Canon 5D Mark Iv mit dem EF 16-35 mm 2.8 III.
Heute Mittag habe ich einen Spaziergang durch den Hafen von Wismar gemacht – begleitet von einem Gefühl für die Details, die oft übersehen werden.
Ein rostiger Poller am Kai. Er ist ein stiller Zeuge der vergangenen Jahrzehnte, gezeichnet von Wind, Wasser und Zeit.
Ein Blick entlang der Uferpromenade. Die Weite des Wassers und die Linienführung ziehen den Betrachter in die Ferne. Genau solche Motive erinnern mich daran, wie viel Ruhe in der Einfachheit liegt.
Die beiden mächtigen Hafenkräne, die sich gegen den Himmel abheben. Diese stählernen Giganten wirken fast wie moderne Skulpturen. Sie sind nicht nur Werkzeuge des Hafens, sondern auch Symbole des Lebens und der Arbeit am Wasser – und für mich eine Quelle ästhetischer Faszination.
Schließlich ein kleiner, verlassener Stuhl am Bahnhof, ganz unerwartet. Er scheint fehl am Platz und dennoch perfekt. Woher kommt er? Was hat ihn dorthin gebracht? Ein stilles Rätsel in der Szenerie, das zum Nachdenken einlädt.
Fluss der Zeit – Ein fotografischer Blick auf Vergänglichkeit und Erinnerung
Zeit ist eine seltsame Dimension. Sie fließt unaufhaltsam, verändert alles, hinterlässt Spuren und lässt manches in Vergessenheit geraten. Mein neues Foto mit dem Titel „Fluss der Zeit“ fängt genau dieses Gefühl der Vergänglichkeit ein – eine Uhr, halb unter Wasser begraben, verloren in einer grauen, nebulösen Umgebung.
Die Bildidee: Zeit, die versinkt
Die Inspiration für dieses Bild entstand aus der Vorstellung, wie Gegenstände langsam vom Lauf der Zeit verschluckt werden. Die Armbanduhr, die eigentlich ein Symbol für das Messen und Strukturieren der Zeit ist, liegt hier scheinbar unbeachtet in einem Flussbett oder einer schlammigen Wasserfläche. Sie ist nicht mehr das präzise Messinstrument, sondern wird selbst Teil des Prozesses, den sie einst gemessen hat.
Symbolik: Zeit als unaufhaltsame Kraft
Das Bild vermittelt mehrere symbolische Bedeutungen:
• Vergänglichkeit: Alles, was wir besitzen, was uns wichtig erscheint, wird irgendwann vom Lauf der Zeit eingeholt. Die Uhr ist ein Sinnbild dafür, dass selbst die Werkzeuge, mit denen wir Zeit messen, ihr irgendwann zum Opfer fallen.
• Erinnerung und Verlorenes: Wer hat die Uhr getragen? Wurde sie verloren, absichtlich zurückgelassen oder vergessen? Das Bild wirft Fragen auf, die sich nicht beantworten lassen – genau wie die Vergangenheit, die immer wieder von unserer Vorstellung geformt, aber nie völlig greifbar ist.
• Unaufhaltsamer Fluss der Zeit: Die Struktur des Wassers und der umgebende Schlamm deuten darauf hin, dass sich die Szene langsam, aber stetig verändert. Das, was heute noch sichtbar ist, könnte morgen verschwunden sein.
Fotografische Umsetzung: Minimalismus und Atmosphäre
Die Wahl einer monochromen Farbgebung verstärkt das Gefühl der Zeitlosigkeit. Schwarz-Weiß-Fotografie hebt die Strukturen und Kontraste stärker hervor und gibt dem Bild eine fast surreale, entrückte Wirkung. Das sanfte, diffuse Licht unterstreicht den meditativen Charakter und erzeugt eine melancholische Stimmung.
Die Bildkomposition lenkt den Blick direkt auf die versunkene Uhr, während die Unschärfen im Wasser für eine fließende, weiche Atmosphäre sorgen. Dadurch bleibt der Fokus klar, aber dennoch mystisch – genau wie unsere Erinnerungen an die Vergangenheit.
Was bleibt?
„Fluss der Zeit“ ist mehr als nur eine Aufnahme eines verlorenen Gegenstands. Es ist eine Einladung, über unsere eigene Zeit nachzudenken. Welche Spuren hinterlassen wir? Was bleibt von uns, wenn die Zeit uns langsam mit sich nimmt? Die Uhr auf dem Foto wird weiter von Wasser und Schlamm umspült, langsam verschwindet sie – so wie Erinnerungen verblassen, so wie die Zeit weiterzieht.
Vielleicht ist das die wahre Botschaft dieses Bildes: Wir können den Fluss der Zeit nicht aufhalten, aber wir können Momente festhalten – in Gedanken, in Fotografien, in Geschichten.
Es ist soweit, das neue Layout des Projektes „lightglimpse“ ist fertig. Das neue Layout ist komplett in minimalistischem Schwarz / Weiß gehalten, ohne Schnörkel, ohne Schnick-Schnack.
Es gibt die Bereiche Portfolio und Projects, die kontinuierlich weiter bearbeitet werden. Zudem werden regelmäßig Post im Bereich Blog veröffentlich.