Geschichten auf Schienen
Kaum ein anderer Ort bringt so unterschiedliche Menschen zusammen wie ein Zug.
Für kurze Zeit teilen sich Fremde denselben Raum. Manche sind auf dem Weg zur Arbeit, andere auf Reisen oder auf dem Heimweg. Einige lesen, andere schlafen, telefonieren oder blicken schweigend aus dem Fenster. Jeder Waggon wird zu einer kleinen Welt für sich – voller Begegnungen, Beobachtungen und flüchtiger Augenblicke.
Genau diese Momente interessieren mich. Nicht die großen Ereignisse, sondern die kleinen Geschichten, die sich jeden Tag zwischen Abfahrt und Ankunft entfalten.
Die Deutsche Bahn ist dabei weit mehr als ein Verkehrsmittel. Sie ist ein Spiegel unseres Alltags. Hier treffen Hektik auf Gelassenheit, Vorfreude auf Erschöpfung, Routine auf Überraschung. Verspätungen, volle Abteile und spontane Begegnungen gehören ebenso dazu wie stille Momente, in denen die Landschaft langsam am Fenster vorbeizieht.
Mit der Kamera versuche ich, diese besondere Atmosphäre einzufangen. Oft bleibt nur ein einziger Augenblick. Ein Blick. Eine Geste. Ein Ausdruck. Ein Moment, der im nächsten Augenblick bereits wieder vergangen ist. So entsteht eine fotografische Sammlung über das Unterwegssein. Über Menschen, die sich begegnen, ohne sich zu kennen. Über Orte, die nur für kurze Zeit gemeinsam erlebt werden und über die vielen kleinen Geschichten, die jeden Tag auf Schienen geschrieben werden.
Vielleicht liegt genau darin die Faszination des Reisens. Nicht nur im Ankommen, sondern in allem, was dazwischen geschieht.