Es gibt Alben, die man gerne hört.
Und es gibt Alben, die etwas in uns auslösen. Sie schaffen Bilder, wecken Erinnerungen oder berühren Gefühle, für die Worte oft nicht ausreichen. Das Album Faith von The Cure gehört für mich zu diesen besonderen Werken. Es hat mich nicht nur musikalisch begleitet, sondern den Wunsch entstehen lassen, seine Atmosphäre und emotionale Tiefe fotografisch zu interpretieren.
Bevor das erste Bild entstand, hörte ich das Album immer wieder. Ich las die Liedtexte, übersetzte sie und ließ ihnen Zeit, ihre Wirkung zu entfalten. Mit jedem Titel entstanden neue Gedanken, neue Stimmungen und schließlich innere Bilder, die ihren Ausdruck in der Fotografie fanden.
Dabei ging es mir nie darum, die Texte zu illustrieren. Mich interessierte vielmehr die Frage, welche Bilder Musik in uns entstehen lässt und wie sich Emotionen in eine fotografische Sprache übersetzen lassen. Jeder Song des Albums wurde zu einer eigenständigen fotografischen Arbeit. Jedes Bild ist eine persönliche Interpretation dessen, was die Musik in mir ausgelöst hat – geprägt von Melancholie, Sehnsucht, Hoffnung, Verlust und der Suche nach Orientierung.
Während dieses Projekts wurde mir bewusst, dass kreative Prozesse manchmal weit über das eigentliche Werk hinausreichen. Sie führen uns zu Erinnerungen, Gedanken und Gefühlen, die lange verborgen waren. Sich darauf einzulassen, war nicht immer leicht. Und doch war genau diese Auseinandersetzung der eigentliche Kern des Projekts.
Die entstandenen Fotografien erzählen deshalb nicht die Geschichte des Albums. Sie erzählen meine Geschichte beim Hören dieses Albums. Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft von Kunst. Sie schafft Verbindungen zwischen unterschiedlichen Ausdrucksformen.
Musik wird zu einer Stimmung. Stimmung wird zu einem Bild. Und das Bild eröffnet dem Betrachter wiederum seinen ganz eigenen Raum für Gedanken und Emotionen.
Das Projekt versteht sich ausdrücklich als eine unabhängige künstlerische Interpretation und nicht als Illustration oder offizielle Verbindung zum Album oder zur Band.

The Holy Hour
Ich knie nieder und warte schweigend. Einer nach dem anderen entgleiten die Menschen in der Nacht. Die stillen und leeren Körper küssen den Boden, bevor die beten. Ich sitze da und höre traumlos zu. Ein Heilsversprechen lässt mich bleiben. Ich schaue Dir ins Gesicht und spüre mein Herz hineingedrückt. Ich stehe auf und höre meine Stimme schreien. Ein wortloser Schrei…

Primary
Ich verlangsame meine Schritte und verschwinde. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese Worte sagen würde. Die Luft entweicht nicht mehr aus meiner Kehle. Eine weitere perfekte Lüge ist erstickt. Es fühlt sich immer gleich an. Weiter gehen wir. Älter werden wir. Je mehr wir wissen, je weniger öffnen wir uns…

Other Voices
Flüstere Deinen Namen in einen leeren Raum. Andere Stimmen pochen in meinem zerbrochenen Kopf. Und alle anderen Stimmen sagen: Verändere Dein Denken. Du liegst immer falsch. So viele Tote…

All Cats Are Grey
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich selbst finden würde im Bett zwischen den Steinen. Alle Katzen sind grau in den Höhlen. Die Texturen umhüllen meine Haut in der Todeszelle…

The Furneral Party
Zwei bleiche Gestalten in stillem Schmerz. Zeitlos im ruhigen Boden. Tanzen auf der Trauerfeier. Leblos liegen, leblos verblassen. Hand in Hand mit Angst und Schatten. Weinen auf der Trauerfeier…

Doubt
Zerschmettere Zweifel. Wut treibt meine bösartigen Schläge an. Ich sehe Dich fallen, aber ich schlage Dich trotzdem. Wieder und wieder. Küsse Deine Augen und beende Dein Leben…

The Drowning Man
Die Einsamkeit wächst und füllt langsam ihren gefrorenen Körper. Die Erinnerungen verblassen. Ich sehe immer noch Welten, die es nie gegeben hat. Das Wasser beugt sich und ertränkt sie in Leichtigkeit. Könnte ich Dir nur helfen zu leiben. So jung, so schön und mutig. Alle Worte verließen mich. Leblos….

Faith
Fange mich auf, wenn ich falle. Ich verliere den Halt. Ich kann nicht einfach so weitermachen. Die Idee von Perfektion hält mich fest. Plötzlich sehe ich, wie Du Dich veränderst. Ganz von selbst. Ich ging allein weg. Mir ist nichts geblieben, außer Glaube…
Falls jemand das „volle Programm“ möchte: Beim Betrachten der Bilder die Songs hören.