Zwischenräume

Nicht jeder Ort drängt sich in den Vordergrund.

Manche Orte liegen dazwischen. Zwischen Straßen und Gebäuden. Zwischen Licht und Schatten. Zwischen Bewegung und Stille. Es sind Räume, an denen wir täglich vorbeigehen, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Gerade diese unscheinbaren Orte faszinieren mich. Sie erzählen keine offensichtlichen Geschichten. Sie wirken oft beiläufig und zurückhaltend. Doch wer innehält und genauer hinsieht, entdeckt Strukturen, Lichtstimmungen und Details, die im hektischen Alltag leicht verloren gehen.

Diese fotografische Serie widmet sich genau diesen Zwischen-räumen. Sie zeigt keine bekannten Sehenswürdigkeiten und keine spektakulären Motive. Vielmehr richtet sie den Blick auf das, was sich zwischen dem Offensichtlichen verbirgt – auf Übergänge, Kontraste und kleine Fragmente, die den Charakter eines Ortes oft stärker prägen als seine bekannten Ansichten.

Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Qualität. Zwischenräume laden uns ein, langsamer zu werden. Sie fordern unsere Aufmerksamkeit nicht ein. Sie schenken sie denjenigen, die bereit sind, genau hinzusehen. So entstehen Bilder, die weniger dokumentieren als vielmehr eine Atmosphäre vermitteln. Sie erzählen von den stillen Seiten einer Stadt und erinnern daran, dass Schönheit oft dort beginnt, wo wir aufhören, nur nach dem Offensichtlichen zu suchen.

Vielleicht sind es gerade diese Orte, die uns zeigen, dass das Besondere häufig nicht im Mittelpunkt liegt. Sondern dazwischen.

Diese Serie entstand im Rahmen des Workshops „Schweriner Zwischenräume“, der am 31. Oktober 2020 im Schweriner Kunstverein unter der Leitung der Fotografin Heidi Krautwald stattfand.

Der Workshop war Ausgangspunkt für eine fotografische Auseinandersetzung mit den verborgenen und oft übersehenen Bereichen der Stadt. Mich interessierte dabei weniger die dokumentarische Aufgabe als die Frage, wie sich Atmosphäre, Licht und Struktur in scheinbar beiläufigen Orten sichtbar machen lassen. Aus dieser Suche entstand eine sehr persönliche Interpretation der „Zwischenräume“ – nicht als geografische Orte, sondern als Momente der Aufmerksamkeit.